Atemgymnastik
Hierzu kurz ein Bild, was Sie sicherlich auch vor Augen haben: ein älterer Herr steht vor geöffnetem Fenster, er vollzieht mit seinen Armen und seinem Rumpf große Bewegungen und prustet dazu. Im weitesten Sinne können Sie sich so atemgymnastische Übungen vorstellen. Schwungvolle, geführte oder dehnende Bewegungen der Gliedmaßen und des Rumpfes regen die Atmung an, öffnen Atemräume und rhythmisieren Ihr Atemgeschehen, sofern Sie sie unter Anleitung im physiologischen dreiteiligen Atemrhythmus durchführen. Intensiviert werden kann dies durch Unterstützungen eines erfahrenen Gegenübers, bis hin zu Handgriffen, die eher eine Atemmassage beschreiben würden.
natürliche Atmung
Unter diesem Begriff verstehe ich eine innere Feinlenkung, Ökonomisierung und Rhythmisierung der Atmung, die sich normalerweise im Alltag, so wie im Schlaf automatisch vollzieht, denn sie wird überwiegend vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Ist diese autonome Regelung durch z. B. Stress oder Trauma gestört, fließt die "äußere" Atmung nicht optimal und auch die "innere" Atmung, die Zellatmung, wird auf längere Sicht so beeinträchtigt, dass infolgedessen leider verschiedene Krankheitsgeschehnisse begünstigt werden.
Jedoch hat Ihr Körper zwei Schlüssel zur Hand, die in einen positiven Verlauf führen können: zum einen ist die Atmung auch somatisch, d. h. willentlich innerviert, sodass Sie mit feinmotorischen und sensorisch ausgerichteten Übungen Ihrem Körper wieder 'beibringen' können, wie sich natürliche Atmung vollzieht, zum anderen ist die Einbeziehung der Stimme während solcher Atemübungen, d. h. des Atemventils 'Kehlkopf' durch seine überwiegend vegetativ, parasympathische Innervation meiner Meinung nach ein unumgänglicher Helfer. Eine Form von 'die Atmung nicht störendes Atembewusstsein' entsteht, welches in alle Alltagshandlungen integriert werden kann.
Atemtherapie
In der Atemtherapie kommen je nach Störungsbild beide eben beschriebenen Herangehensweisen in Betracht. Nicht nur klassische Atemwegserkrankungen wie z. B. Sinusitis, Bronchitis, Pneumonie, COPD, Asthma bronchiale sind zu behandeln, sondern auch ein ganzer Katalog an sogenannten "Volkskrankheiten" lassen sich über Atemtherapie mitbehandelnd begleiten:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Röhmheld-Syndrom
- Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen des Verdauungsapparates
- Übersäuerung und Reflux
- Übergewicht
- Beschwerden des Bewegungsapparates insbesondere der Wirbelsäule
- Prävention und Rehabilitation einer Krebserkrankung (anaerober Zellatmung)
psychoneuroimmunologische Beschwerden wie
- Ängste, Unruhe, Schlafstörungen
- Burnout, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeit
- Infektanfälligkeit
- Autoimmunkrankheiten